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PROJEKTWOCHE 2008 "VERANTWORTUNG" Drucken E-Mail

Darmstädter Echo, 03.12.2008

Verantwortung statt Mathe
Unterricht: Friedrich-List-Schule veranstaltet Projektwoche zum Thema
„Verantwortung“ – Zypries ist Schirmherrin

Ernährung, Sexualität, die Berufswahl oder auch der Umgang mit Alkohol und Drogen
– es gibt eine Menge Felder, in denen Jugendliche heute schon früh Verantwortung zeigen müssen. Deshalb widmet die Darmstädter Friedrich-List-Schule (FLS) dem Thema Verantwortung nun eine ganze Projektwoche.
 
Unter dem Motto „Das eigene Leben gestalten – Verantwortung übernehmen“ sollen die rund 2000 teilnehmenden Berufs- und Berufsfachschüler bis Freitag (5.) lernen, wie sie ihr Leben eigenverantwortlich und zukunftsorientiert gestalten können.
Dazu präsentieren sich an jedem Wochentag verschiedene Organisationen mit Infoständen
im Foyer der kaufmännischen Schule – von Pro Familia über den Jugendmigrationsdienst bis
hin zum Arbeiter-Samariter-Bund.Schon im Vorfeld haben sich die Klassen einen individuellen
Wochenplan zusammengestellt.
Darin legen sie selbst fest, welche Referenten sie hören und wie sie ihren Unterricht in dieser Woche gestalten wollen.„Am Montag haben wir zum Beispiel zusammen gefrühstückt und dabei an einer Lebensmittelpyramide viel über gesunde Ernährung gelernt“, erzählt Vanessa Schuchmann. 
Die Achtzehnjährige trainiert in ihrer Freizeit eine Kampfsportgruppe und übernimmt damit schon eine große Portion Verantwortung.
„Trotzdem finde ich, dass wir in so einer Projektwoche noch eine Menge lernen können. In unserem Alter fehlt es vielen einfach noch an Verantwortungsbewusstsein.“
 

Gesunde Ernährung – dabei geht es vor allem um Verantwortung sich selbst und seinem
Körper gegenüber. Soziale Verantwortung soll dagegen am Mittwoch auf der Tagesordnung
stehen, wenn sich Vanessas Klasse genauer über das „Projekt Menschenrechte“ informiert.
Ein besonders wichtiger Tag ist der Donnerstag: „Da machen wir hier eine Job-Info-Börse,
bei der 16 Betriebe zu Gast sind“, erklärt Sozialarbeiter Jürgen Bloßfeld. Dort können sich
die Schüler nicht nur über verschiedene Berufsfelder informieren, sondern auch erste
Kontakte zu den Unternehmen knüpfen. Aus ähnlichen Veranstaltungen seien in der
Vergangenheit schon Beschäftigungsverhältnisse hervorgegangen, ergänzt Armin Meng von
der FLS.
Im Rahmen der Projektwoche wagen außerdem 14 Eibe-Schüler (Eingliederung in Berufs- und
Arbeitswelt) den Schritt vor die Schultür: Mit ebenfalls 14 Bewohnern des Wohnstifts Emilstraße
teilen sie von Mittwoch bis Freitag ihren Alltag. Zu zwei gemeinsamen Nachmittagen besuchen
die jungen Leute das Altenheim, am Freitag kommen dessen Bewohner dann zum
Gegenbesuch in die Schule. Bei einem „spielenden Kaffeeklatsch“ sollen sich die Teilnehmer
zunächst genauer kennenlernen und sich dann in Teams über ihren Alltag austauschen.
Am Ende sollen die Zweiergruppen schließlich gemiensame Kunstwerke erarbeiten, die am
Freitag in der FLS ausgestellt werden. Schirmherrin der Projektwoche ist Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries (SPD).
Sie war es auch, die die Projektwoche am Montagmorgen eröffnete. Zeit für lange Reden
hatte sie allerdings nicht, denn die Schüler präsentierten ihr selbstgemachte Plakate zum
Thema Verantwortung – und sie nutzten die günstige Gelegenheit, um der Politikerin einige
Fragen zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brannten. Um Verantwortung für die Umwelt
und erneuerbare Energien ging es da zum Beispiel, aber auch um die Verantwortung des
Staates seinen Bürgern gegenüber. Zum Thema Datenschutz hatten sich die Schüler dabei
besonders viele Gedanken gemacht: „Frau Zypries, wie sehr beschäftigt sich der Staat mit
dem Datenschutz?“ oder auch „Warum ist das Internet eigentlich so gefährlich?“, fragten
die Schüler ins Mikrofon. Das Internet sei vor allem eine riesiger Fundus an Wissen, erklärte
die Politikerin daraufhin. Man müsse aber richtig damit umzugehen wissen: Alles, was man
von sich ins Internet einstelle, werde sofort irgendwo gespeichert. „Und was einmal im Netz
ist, kriegen Sie nie wieder raus. Da muss eben jeder selbst Verantwortung übernehmen.“

Katharina Mandlinger